Zigarren für Anfänger #1: welche Zigarre?

Wer anfangen möchte Zigarre zu rauchen steht zunächst vor einer gar nicht so einfach zu beantwortenden Frage: Welche Zigarre eignet sich denn nun für Anfänger bzw. Einsteiger? Warum diese Frage nicht einfach zu beantworten ist? Ganz einfach: Es gibt hunderte Zigarrenhersteller aus gut einem Dutzend preisgekrönter Herkunftsländer. Als wäre dies nicht bereits genug, spielt auch der eigene Geschmack eine nicht zu verachtende Rolle – und der ist bekanntlich eigen. 

Mit Zigarren verhält es sich eigentlich wie mit Wein (oder Frauen). Wer keine Ahnung hat, was sich eignet, wird zunächst ratlos vor einer nicht auseinanderzuhaltenden Vielfalt stehen. Um dem also vorzubeugen gilt es sich im Voraus mit einigen Fragen zu beschäftigen. So wäre es im Vorfeld interessant zu wissen wohin man steuern möchte. Möchte man sich wirklich langfristig mit dem Thema Zigarre auseinandersetzen oder geht es mehr darum dem ein- bzw. mehrmaligen Genuss zu fröhnen, ohne jedoch viel Zeit mit der besonders vielfältigen Zigarren-Kunde zu verbringen und am Ende vielleicht die auf einen selbst abgestimmte perfekte Zigarre zu finden.

Wer, wie im letzteren Fall beschrieben, nur ab und an eine gute Zigarre rauchen will ohne viel Wert auf Herkunft, Geschichte und feinste Geschmacksnuancen zu legen, sollte sich vom Tabakhändler seines Vertrauens beraten lassen und zunächst Abstand von Zigarren halten, die mehr als sagen wir 6€ das Stück kosten (auch wenn der Fachhändler einem solche mitunter feilbieten mag). Alle hochpreisigeren Zigarren-Modelle wären in diesem Falle eine Fehlinvestition – selbt wenn man sich „mal wirklich etwas gönnen“ möchte. Es gibt bereits erstklassige Zigarren in diesem Preissegment und wer am Ende doch beschließt sich der Thematik mehr als zunächst angenommen widmen zu wollen, kann immer noch ein echter Aficionado (span. „Liebhaber“) werden, womit die preislichen Grenzen nach oben, wie so oft, offen sind.

Zigarre rauchen als Hobby
Angehende Aficionados bzw. solche, die es am Ende ihrer vielversprechenden Reise einmal werden wollen, sollten sich zunächst mit der Frage beschäftigen, was sie eigentlich genau von dem neu angestrebten Hobby; als solches kann man Zigarre rauchen nämlich durchaus ansehen; erwarten. Geht es darum eine Vielfalt von Zigarren unterschiedlicher Herkunft auszuprobieren oder möchte man sich ausschließlich auf Zigarren einer bestimmten Herkunftsregion (beispielsweise kubanische Zigarren) spezialisieren? Ist diese Frage beantwortet, sollte man sich Gedanken darüber machen wie viel einem die Sache in Bezug auf den Kosten- und Zeitfaktor wert ist. Wer auf lange Sicht Zigarren unterschiedlicher Herkunft und Geschmacksrichtungen ausprobieren möchte, wird nicht drumherum kommen seiner neuen Leidenschaft ein finanzielles Budget sowie ein gewisses Pensum an Zeit zuzuweisen. Wer jedoch ohnehin nicht gewillt ist mehr als 4-5 Zigarren pro Monat zu rauchen, ist mit einem monatlichen Budget von sagen wir 40€ bereits gut dabei. Sollte dies geplant sein, lohnt es sich auch gleich sich weitere Gedanken um die Aufbewahrung des kostbaren Genussmittels zu machen.

© Bernard Bruck

© Bernard Bruck

Milde Zigarren für den Anfang
Bleiben wir jedoch zunächst bei den Zigarren, die sich für einen Anfänger-Aficionado eignen: Grundsätzlich empfiehlt es sich mit milden und angenehm zu rauchenden Zigarren anzufangen. Wer möchte schon mit einer mühsam zu rauchenden Zigarre mit schlechtem Zugverhalten oder aber einer allzu scharfen Zigarre anfangen?! Niemand. Da macht es keinen Unterschied ob man sich dem Thema als starker Raucher oder aber überzeugter Nichtraucher annimmt. Überhaupt sei ein für alle Mal klargestellt: Zigarre rauchen hat nichts mit dem Rauchen von Zigaretten zu tun. Weder geschmacklich, noch gesundheitlich oder in Bezug auf die entstehenden Kosten. Es ist selbstverständlich keinesfalls so, dass Zigarren-Raucher gesünder leben – alleine schon in Bezug auf das Passivrauchen (Zigarre raucht man bekanntlich nicht auf Lunge). Es dürfte jedoch einen gewichtigen Unterschied machen ob man täglich 10 Zigaretten auf Lunge raucht oder eben von Zeit zu Zeit eine gute Zigarre „pafft“. Geschmacklich jedenfalls, kann man das Rauchen einer Zigarre nicht im Entferntesten mit dem Rauchen einer Zigarette vergleichen – hier würde man Äpfel mit Kiwis vergleichen.

Shortfiller vs. Longfiller / handgerollt gegen maschinell gefertigt 
Wie dem auch sei: Wir halten fest, dass es sich zunächst lohnt nach milden Zigarren mit gutem Zugverhalten und einer damit verbundenen guten Verarbeitung Ausschau zu halten. Nun sollten wir uns noch der Tatsache bewusst sein, dass es solche in gleich zwei Herstellungsarten gibt: handgerollt (spanisch: „totalmento a mano“) und aus handwerklicher Fertigung, wobei eben auch Maschinen zum Einsatz kommen (auch als „hecho a mano“ bezeichnet). Man unterscheidet in dieser Angelegenheit auch zwischen „Shortfiller“- und „Longfiller“-Zigarren. Shortfiller sind Zigarren bei denen die Einlage aus geschnittenem oder auch entripptem Tabak besteht, während die Longfiller-Zigarre im Wesentlichen aus ganzen Zigarrenblättern besteht und von erfahrenen Torcedores (Zigarrenrollern) von Hand gerollt werden. Generell lässt sich eigentlich sagen, dass Longfiller-Zigarren (mit einigen Ausnahmen) immer handgefertigt sind. Shortfiller dagegen werden sowohl maschinell, als auch per Hand – oder eben kombiniert – hergestellt. Dieser Tatsache geschuldet, ist häufig auch der deutlich höhere Preis für Longfiller-Zigarren. Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel: So gibt es durchaus auch teure, handgerollte Shortfiller.

Die renommiertesten Herkunftsländer
Wer nun bereits genug von der Thematik hat, sollte sich die ganze Sache nochmals gründlich überlegen – es handelt sich bei den bisherigen Informationen lediglich um das Basiswissen der weitaus umfassenderen Zigarrenlehre. Nun aber nähern wir uns auch schon der eigentlichen Suche nach den optimalen Zigarren für Anfänger. Wir suchen also nach einer handgerollten, milden Longfiller-Zigarre mit gutem Zugverhalten und einem möglichst gleichmäßigen Abbrandverhalten – zunächst ohne bestimmte Herkunftsregion. Als besonders hervorragend tun sich immer wieder Zigarren aus Kuba, Nicaragua, Honduras, sowie der Dominikanischen Republik hervor. Wie aber will man etwas messen, was vollkommen geschmacksabhängig ist? Nun, das weltweit wohl bekannteste und beliebteste Fachmagazin, der „Cigar Aficionado“ bedient sich hierbei seit nun bereits 20 Jahren seiner „Blind Tastings“ bei denen passionierten Zigarren-Rauchern im Vorfeld ihres Smokes (so beschreibt man übrigens den Genuss einer Zigarre unter Aficionados) nicht bekannt ist, welche Zigarre sie gerade rauchen. Diese werden dann anhand verschiedener Gesichtspunkte, wie etwa Beschaffenheit, Zugverhalten, Aroma, Würze, Rauchdauer etc. mit einer Gesamtpunktzahl zwischen 0 und 100 Punkten bewertet.

Wer nun eine klare Abgrenzung zwischen wirklich guten und weniger guten Zigarren erwartet, wird überrascht sein. Die bislang schlechteste Wertung erhielt die Ornelas No. 1 Vanilla (Herkunft Mexiko) mit 69 Punkten. Dagegen erreichte die bislang beste Wertung mit 99 von 100 Punkten die Double Corono des Herstellers Hoyo de Monterrey (Herkunft Kuba). Überhaupt erreichten kubanische Zigarren in den vergangenen 20 Jahren immer Top-Wertungen. Von über 3.600 getesteten Zigarren mit einer Wertung über 90 Punkten, stammt rund ein Drittel aus dem von Christoph Kolumbus entdeckten karibischen Inselstaat. Die weiteren Global Player in Sachen Zigarrenherstellung sind Nicaragua, Honduras sowie die Dominikanische Republik.

Meine Zigarren-Empfehlung für den Anfang
Hat man dies vor Augen, fällt einem die Wahl der richtigen Zigarre bereits ein gutes Stück einfacher. Nun braucht man noch ein gewisses Grundwissen über die jeweiligen Hersteller, die verwendeten Tabakarten und den jeweiligen Herstellungsprozess, doch würde dies den Rahmen des ersten Teils unserer „Zigarren für Anfänger“-Serie wohl vollkommen sprengen. Um also schlussendlich auf das Ausgangsthema und damit die Wahl der richtigen Zigarre für Anfänger zu kommen: Wer sich für kubanische Zigarren interessiert und hiermit auch unbedingt anfangen möchte, dem sei empfohlen sich für eine Romeo y Julieta Mille Fleurs zu entscheiden. Hier kombinieren sich ein leichter Zug, ein erdig-blumiges Aroma, sowie ein recht gutes Abbrandverhalten zu einem selbst für passionierte Aficionados immer wieder empfehlbaren rund einstündigen Smoke. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist dabei ein außergewöhnlich gutes, schlägt die Romeo y Julieta Mille Fleurs doch mit nur rund 4€ zu Buche. Wer etwas kürzer angebunden ist, sollte sich für die kleine Schwester, die Sport Largos aus gleichem Hause entscheiden. Geschmacklich sowie von der Verarbeitung her, weißt diese große Ähnlichkeiten mit der Mille Fleurs auf, raucht sich jedoch wesentlich schneller (Rauchdauer etwa 35 Minuten) und wird von Anfang bis hin zum Ende als durchweg mild und angenehm empfunden. Preislich gesehen nehmen sich die beiden nicht viel, deswegen tendiere ich persönlich zum größeren Format.

Um aber an dieser Stelle auch eine Zigarre aus der Dominikanischen Republik genannt zu haben, möchte ich Anfängern zusätzlich die Mustique Blue Corona ans Herz legen. Hierbei handelt sich um einen durchweg handgerollten Mediumfiller dessen Einlage und Umblatt aus der Dominikanischen Republik, das Deckblatt jedoch ein Connecticut Shade aus dem gleichnamigen US-Bundesstaat ist. Mit ihrer extrem guten Verarbeitung und dem damit verbundenen exzellenten Abbrand eignet sich diese Zigarre – nicht nur preislich, sondern auch des Formats wegen – wirklich hervorragend für angehende Aficionados. Sie besitzt eine leichte Würze und überzeugt nicht zuletzt mit einer dezenten Süße sowie milden Fruchtaromen. Dazu handelt es sich um eine Zigarre, die man zu beinahe jeder Gelegenheit rauchen kann. Preislich gesehen ist das, was man hier für sein teuer erarbeitetes Geld bekommt, jedenfalls nur schwer bis gar nicht zu übertreffen, berappt man für eine solche Zigarre doch gerade einmal 2€.

Wer gleich einen Unterschied zwischen kubanischen Zigarren und solchen aus der Dominikanischen Republik festmachen möchte, kauft sich am besten gleich jeweils eine der hier genannten Zigarren und macht findet es so am besten selbst heraus. Grundsätzlich jedoch lässt sich sagen, dass Zigarren aus der Dominikanischen Republik wesentlich milder als die würzigen Zigarren aus Kuba sind. Nun liegt es an jedem selbst herauszufinden was einem lieber ist bzw. besser schmeckt.

Im zweiten Teil unserer Serie „Zigarren für Anfänger“ gehen wir der Frage auf den Grund wie man Zigarren eigentlich richtig raucht – denn auch das will geübt sein und erfordert gewisse Grundkenntnisse. Bis dahin jedoch wünsche ich viel Spaß beim Zigarrenkauf.

Bernard Bruck

2 Comments

  • Antworten April 19, 2013

    Mario Stirner

    Ein wirklich schöner und ausführlicher Artikel für jeden der mit dem rauchen von Zigarren anfangen möchte. Ich werde mir eine der genannten Zigarren kaufen und freue mich bereits auf Teil 2! Weiter so!

  • Antworten August 28, 2013

    Rene Neuberger

    Der Autor schreibt: (Zitat) Wer möchte schon mit einer mühsam zu rauchenden Zigarre mit schlechtem Zugverhalten oder aber einer allzu scharfen Zigarre anfangen?
    Nun, ich darf versichern, dass auch Aficionados (als solcher sehe ich mich) auf derartige Eigenschaften (bis auf die Schärfe – eher Intensität) keinen Wert legen.
    Ansonsten nett geschrieben.

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