Zigarren für Anfänger #2: wie raucht man Zigarre?

Im zweiten Teil der Serie „Zigarren für Anfänger“ wollen wir uns mit dem Rauch-Prozedere einer Zigarre beschäftigen. Diese kann man nämlich auf verschiedene Art und Weisen rauchen. Um jedoch einen angenehmen Smoke zu haben, bedarf es einiger grundlegender Dinge.

Macht man es Hannibal Smith („Ich liebe es wenn ein Plan funktioniert“) gleich, braucht man zum Rauchen einer Zigarre lediglich eine Zigarre, ein Feuerzeug sowie ein bissfestes Mundwerk. Ein beherzter Biss in das Kopfende der Zigarre und schon steht dem scheinbar vergnüglichen Smoke nichts mehr im Wege. Das mag beim Anführer des A-Teams cool wirken, wer dies jedoch einmal (nach)gemacht hat, wird dabei längst nicht so siegessicher ausgesehen haben und es vermutlich auch nie wieder tun. Zum Einen der Tabakreste im Mund wegen, zum anderen weil die Zigarre damit erheblich beschädigt wird und sich im schlechtesten Falle überhaupt nicht mehr rauchen, geschweige denn genießen lässt.

Es hat demnach schon seinen Grund, warum es unzählige Varianten von Zigarrenscheren, Cuttern und Zigarrenbohrern zu kaufen gibt. Diese helfen einem nämlich dabei das meist runde Kopfende weitaus ästhetischer vom Rest der Zigarre zu trennen, als man dies mit dem eigenen Gebiss vermag. Zudem bleibt die Zigarre – stellt man sich hierbei nicht allzu ungeschickt an – heil und damit in einem rauchbaren Zustand.

© Richard Monaghan / flickr.com

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Schere, Cutter, Bohrer
Der Unterschied zwischen Scheren, Cuttern und Bohrern liegt in ihrer jeweiligen Bauweise sowie der Art und Weise wie sie die Zigarre anschneiden. Während Scheren sinngemäß 2 Klingen haben und das Kopfende damit einer handelsüblichen Schere gleich, jedoch viel präziser und sanfter, abschneiden, wird die Zigarre mit dem Cutter, einer Guillotine gleich, „geköpft“. Auch der Cutter verfügt normalerweise über 2 Klingen. Billigere Varianten des Cutters kommen mit nur einer Klinge aus – diese jedoch empfehlen sich eigentlich nicht, da die Klinge die Zigarre nach unten drückt, wo sie dann (der zumeist recht einfachen Bauweise dieser Cutter wegen) auf ein abgerundetes Plastikteil niedergedrückt wird, was die Zigarre erheblich beschädigen könnte. Der Bohrer wiederum „öffnet“ die Zigarre nach einem gänzlich anderen Prinzip. Dieser nämlich „bohrt“ eine kleine Öffnung ins Kopfende der Zigarre. Obwohl diese Öffnung kleiner ausfällt, als die Öffnung die mit einem Cutter bzw. einer Schere entsteht, zählt das Anbohren der Zigarre zu einer der ältesten bekannten Methoden eine Zigarre anzuschneiden und erfreut sich bei vielen Aficionados einer großen Beliebtheit.

Vor- und Nachteile
Der Nachteil des Bohrens gegenüber des Anschneidens einer Zigarre ist, dass sich in der recht kleinen Öffnung, wenn auch in nur wenigen Fällen, unangenehm schmeckende Fettsäuren und auf den Lippen brennende Tabaksäfte ansammeln können, die den Genuss der Zigarre beeinträchtigen können. Der Vorteil gegenüber dem Anschneiden ist jedoch ein oftmals besseres, angenehmeres Zugverhalten. Der Nachteil des Anschneidens  (gleich ob mit Cutter oder Schere) wiederum, liegt in dem Beschädigungspotenzial der Zigarre. Schneidet man die Zigarre falsch, zu schnell oder schräg an – was durchaus auch erfahrenen Zigarren-Liebhabern bereits vorgekommen ist – kann die Zigarre erhebliche Beschädigungen, nicht nur am Deckblatt, davontragen. Auch hiermit wäre dem Genuss der Zigarre ein jähes Ende gesetzt. Für welche Art des Anschneidens man sich schlussendlich entscheidet, liegt an jedem selbt. Ich persönlich nutze, je nach Zigarre, sowohl den Cutter, als auch den Bohrer (Piercer).

Streichholz = NO! / Gasfeuerzeug = GO!
Um den einzigartigen Geschmack und das Rauchverhalten der Zigarre nicht zu beeinträchtigen, ist es wichtig, sie auch richtig bzw. mit den geeigneten Mitteln anzuzünden. Da Streichhölzer u.a. Schwefel enthalten (man bezeichnete sie ehemals auch als „Schwefelhölzer“) eignen sie sich – entgegen einer scheinbar landläufigen Meinung – so gar nicht zum Anzünden von Zigarren. Der beim Auspusten eines Streichholzes bekannte Geruch würde sich während der Anzündevorgangs beim Ziehen an der Zigarre unmittelbar auf diese übertragen und somit den Geschmack derselben übertünchen – mit eher unangenehmen Folgen. Ebenso verhält es sich mit Benzinfeuerzeugen.

Als neutrale Feuerquelle dient uns demnach ein handelsübliches Gasfeuerzeug, welches in jedem Supermarket für weniger als einen Euro erhältlich ist. Wer es gerne etwas exklusiver oder auch nobler haben möchte, kann sich auch schon im niedrigeren Preissegment (bis 10€) für ein sogenanntes „Glutpunktfeuerzeug“, welches gerne auch als Jet-Flame-Feuerzeug bezeichnet wird, entscheiden. Diesen Feuerzeugen ist die Eigenschaft vermacht, ihren Dienst unabhängig der Wind- und Wetter-Verhältnisse zu leisten. Zwar empfehle ich ohnehin niemandem unter schlechten Wetterverhältnissen eine Zigarre genießen zu wollen, dennoch erlauben diese Jetflame-Feuerzeuge einem auch bei leichtem bis mittlerem Wind die Zigarre richtig anzuzünden, während die Flamme eines handelsüblichen Gasfeuerzeugs mit jedem Windstoß unruhig flackert oder gar erlischt.

Der Anzündevorgang
Hat man nun also eine sauber angeschnittene Zigarre und ein entsprechendes Feuerzeug vor sich liegen, kann es eigentlich auch schon los gehen. Wie man eine Zigarre nun tatsächlich am Besten anzündet? Auch darüber diskutieren Zigarren-Liebhaber – auch „Aficionados“ genannt – seit jeher. Eine immer wieder beobachtete und beliebte Methode ist die, die Zigarrenspitze zunächst in der Hand, unter rollenden Bewegungen, über der Flamme so anzubrennen, dass der Rand gleichmäßig zum Glühen gebracht wird. Erst wenn dies geschehen ist, nimmt man die Zigarre in den Mund, führt die Flamme an die Spitze und zieht – wiederum unter leicht umherollenden Bewegungen – daran, bis die gesamte Zigarrenspitze zum Glühen gebracht wurde. Manch einer mag die Zigarre während dieses Vorgangs auch wieder in die Hand nehmen und anpusten, dies jedoch beobachtet man in der Regel recht selten und trägt meines Wissens auch nicht zu einer besseren Abbrandeigenschaft bei.

Je nach gewähltem Zigarrenformat steht einem nun ein oftmals mehr als einstündiger Rauchgenuss bevor. Hierbei ist es sehr wichtig zu wissen, dass eine Zigarre wie bereits im vorangegangenen Post beschrieben unter keinen Umständen wie eine Zigarette geraucht wird. Zwischen mehreren Zügen vergehen gerne auch mal mehrere Minuten. Als Richtwert hört man des öfteren, dass man pro Minute nicht mehr als ein, zwei Mal an der Zigarre zieht. Meiner Meinung nach ist dies zwar ein guter Richtwert um zu verdeutlichen, dass man eine Zigarre in aller Ruhe und Gelassenheit raucht – entspricht aber nicht wirklich dem tatsächlichen Rauchverhalten. Selbstverständlich kann man auch öfter an der Zigarre ziehen. Man sollte hier nur darauf achten, dass diese nicht zu warm geraucht wird, was eben durch zu schnelles rauchen gerne mal passieren kann.

Abbrandverhalten
Kommt es beim Rauchen zu einem ungleichmäßigen Abbrand der Zigarre, so kann man diese unter Umständen ärgerlichen Ungleichmäßigkeiten gut mit Hilfe des Feuerzeugs ausgleichen. Tut man dies nicht und brennt die Zigarre im Nachhinein schief ab, leidet das Zugverhalten und damit auch der Rauchgenuss hierunter. Sollte die Zigarre während dem Rauchen ausgehen, so ist zwar auch dies mitunter ein Ärgernis, sollte jedoch durch das nochmalige Anzünden der Zigarre einfach aus dem Weg geräumt werden. Wer will sich schließlich schon beim Genießen ärgern?!

© dennis / flickr.com

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Ascheturm
Eine weitere Sache, die es zu beachten gilt ist das richtige Abaschen. Beobachtet man Zigaretten-Raucher dabei, ihr Rauchgut minütlich von der bröseligen Asche zu befreien, so kann bzw. sollte man dies als Zigarren-Raucher viel gemächlicher und ruhiger angehen. Qualitativ hochwertige und gut gerollte Zigarren bilden einen oftmals mehrere Zentimeter langen „Ascheturm“, der so schnell auch nicht von selbst abfällt. Das besondere dabei: Die Asche „kühlt“ die Zigarre ab – das Risiko die Zigarre warm und damit indirekt auch „scharf“ zu rauchen sinkt, wenn auch eher leicht. Will man es also richtig machen, wartet man  bis die Asche etwa 2,5 bis 3 Zentimeter lang ist (je nach Zigarre) und versucht dann diese unter einer leicht rollenden Bewegung am Aschenbecherrand bzw. -boden loszuwerden. Klappt das nicht, raucht man einfach noch ein wenig weiter. Irgendwann löst sich die Asche mit der erwähnten Methode sauber von der Zigarre, man muss nur die nötige Geduld haben.

Zu guter letzt noch folgendes: Eine Zigarre drückt man grundsätzlich nicht aus, man überlässt sie vielmehr sich selbst – wenn ihre Zeit gekommen ist, wird sie erlischen. Dies impliziert jedoch, dass man sie nicht gleich im Mülleimer oder sonstwo entsorgt, wo sie einen Brand entfachen könnte!

Wie mit fast allem, ist es auch beim Rauchen einer Zigarre so, dass erst Erfahrungswerte gesammelt werden müssen um das Vergnügen optimal abrunden zu können. Als angehender Aficionado (d.h. Zigarrenliebhaber) sollte man sich die Zeit nehmen und mehrere verschiedene Zigarren „tasten“. Selbst ungeschulte Anfänger-Aficionados werden zum Teil starke Unterschiede im Zug- und Rauchverhalten verschiedener Zigarren bemerken. 

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