Dekantieren vs. Karaffieren

Wussten vor einigen Jahren noch ausschließlich leidenschaftliche Weinkenner und Sommeliers etwas mit dem Begriff „Dekantieren“ anzufangen, so ist dieses Prozedere mitunter zu einem Massenphänomen verkommen. Dass das Dekantieren bzw. Karaffieren von Wein durchaus einen Sinn verfolgt, scheint dabei immer öfter vernachlässigt zu werden.
Mittlerweile besitzt gefühlt jeder zweite deutsche Haushalt einen Dekanter bzw. eine Karaffe zum Umfüllen von Wein. Dass dieser Prozess jedoch weniger dem Auge, als vielmehr dem Gaumen zu Gute kommen soll, ist wohl nur den wenigsten Hobby-Weinliebhabern bewusst. Vom Unterschied zwischen dem Dekantieren und dem Karaffieren einmal ganz zu schweigen.

Es scheint heutzutage ganz einfach zum guten Ton zu gehören, den Wein – unabhängig seines Jahrgangs, seiner Herkunft oder Art – in eine Karaffe zu gießen. Wahrscheinlich soll es edler, ja nobler wirken und das tut es sicherlich auch irgendwo. Der Sinn dahinter ist jedoch ein gänzlich anderer.

Ältere Weine werden dekantiert

Dekantiert werden in aller Regel ausschließlich ältere Weine, sprich: Weine, welche so lange in der Flasche lagerten, dass sich am Boden ein Depot abgelagert hat. Um zu verhindern, dass dieses Depot beim Ausgießen des Weines mit ins Glas gerät, füllt man den Wein vorsichtig und unter Zuhilfenahme einer Kerze in einen Dekanter. Die Kerze wird dabei beim Prozess des Umfüllens direkt unterhalb der Flasche positioniert – so, dass man sehen kann wann die Ablagerungen bzw. der Bodensatz den Flaschenhals erreichen um den Umfüllprozess auch gleich unterbrechen zu können. Das, was schließlich in der Flasche übrig bleiben sollte, bezeichnet man dann auch als „Dekantat„.

Als Dekantieren wird dementsprechend also der Prozess bezeichnet, bei dem der Wein möglichst schonend vom Bodensatz – dem sogenannten „Depot“ getrennt werden soll. Und hier – im „schonend“ – liegt auch gleich ein wesentlicher Unterschied zwischen dem Dekantieren und dem Karaffieren.

© Alessio Baù / flickr.com

© Alessio Baù / flickr.com

Karaffieren dient einzig der Sauerstoff-Zufuhr

Das Karaffieren nämlich, dient in allererster Linie dazu dem Wein in möglichst kurzer Zeit ein Maximum an Sauerstoff zuzuführen. Warum? Nun, ganz einfach: Vor allem junge Weine besitzen oftmals noch nicht die Geschmacksvielfalt, die ein wesentlich ausgereifterer und damit älterer Wein in der Regel bereits von Haus aus besitzt. Damit sich diese Geschmacksvielfalt überhaupt erst entfalten kann, bedarf es der Zuführung von Sauerstoff. Nichts anderes macht man, wenn man den Wein beispielsweise im Glas schwenkt. Da man jedoch schlecht eine ganze Flasche Wein im Glas schwenken kann (oder möchte), bedient man sich zur Zuführung eines Maximums an Sauerstoff einer Karaffe. Wer sich also immer schon gefragt hat warum Weinkaraffen so dermaßen bauchig sind, hat nun die einzig plausible Erklärung hierfür vorliegen.

Während der Prozess des Dekantierens ein recht vorsichtiger ist, geht das Karaffieren wesentlich unsensibler vonstatten. Ziel der ganzen Aktion ist es ja, dem Wein (wie nun bereits mehrfach ausgeführt) Sauerstoff zuzuführen – um einen etwaigen Bodensatz braucht man sich bei jungem Wein ja ohnehin keine Gedanken zu machen. Karaffieren kann man Wein demnach auch indem der Wein ein wenig aufgewirbelt wird. Letztlich kommt dies dem Ziel ja auch entgegen.

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